| Begrüßung
der SymposiumsteilnehmerInnen
Verehrter Vizerektor, verehrter Vorsitzender des Sozialkritischen
Arbeitskreises Darmstadt, verehrter Vertreter, verehrte Direktorin der
Hochschule für Sozialabeit, verehrter Leiter und Anwesende, ich wünschen
Ihnen allen einen guten Tag.
Zuerst möchte ich erklären, daß ich sehr glücklich
darüber bin, heute bei dieser wirklich sehr nützlichen Tagung
mit Ihnen zusammen zu sein, auch wenn ich im letzten Augenblick davon
benachrichtigt wurde. Verehrte Gäste, das vor 40 Jahren angefangene
Abenteuer dauert mit seinen positiven und negativen Folgen noch an. Es
ist jedoch eine große Freude für uns, zu sehen, daß eine
Gruppe in Deutschland für Ausländer und türkische Arbeiter
eintritt, sich bemüht, Lösungen für deren Probleme zu finden,
und in dieser Angelegenheit mit uns zusammenarbeitet.
Selbstverständlich sind diese Menschen einer anderen Kultur in einem
Industrieland in der Tat auf wichtige Probleme gestoßen - wegen
ihrer Religion, Sprache, Traditionen und einiger besonderer Eigenschaften.
Bei der Migration berücksichtigte unser Land nur die wirtschaftliche
Seite, aber nicht die Erziehung. Meines Erachtens war das ein großer
Fehler, der damals begangen wurde. Unsere, mit wirtschaftlichen und sozialen
Problemen behafteten, Bürger haben das Image der Türkei gebildet.
Infolgedessen hatte die Öffentlichkeit in Europa von der Türkei
eine andere Vorstellung.
Die Türkei wurde als ein Land lanciert, dessen Bürger schwarze
Tscharschafs tragen, des Lesens und Schreibens unkundig sind und sich
in Europa nicht anpassen könnten. Als sie aber unser Land besuchten,
haben sie gesehen, daß das nicht so ist. Dem obigen Bild entspricht
nur ein kleiner Teil unserer Bürger, die sowohl in sozialer als auch
wirtschaftlicher Hinsicht in einer Notlage sind. Wir haben viel Negatives
erlebt, wir waren auch peinlich berührt davon, eine Generation hat
diese Unannehmlichkeiten durchmachen müssen. Die Beziehungen und
die Kommunikation der jungen Generation sind aber sehr positiv.
Auch wenn einige Fremde und einige ausländerfeindliche Gruppen dagegen
sind und dies verhindern wollen, hat die junge Generation dort eine sehr
schöne Lobby gebildet und eine Atmosphäre der Liebe geschaffen.
Sie hat sehr schöne Freundschaften geschlossen, aus der Reihe der
türkischen Migranten sind große Geschäftsleute hervorgetreten,
unser Geschmack hinsichtlich Essen und unsere Traditionen haben dort Interesse
geweckt und beide Kulturen haben sich angenähert. Das sehen wir und
sind stolz darauf. Kinder türkischer MigrantInnen sind als Arzt,
Ingenieur, Uni-Lehrer oder Geschäftsmann tätig oder sind auf
einer sehr hohen Ebene berufstätig. Natürlich können wir
auch von einem positiven Vorgehen seitens Deutschland und anderer europäischer
Länder während dieser Entwicklung sprechen.
Wir sind ihnen selbstverständlich dankbar dafür. Manche sind
sogar so positiv eingestellt, daß sie unsere Speisen genießen
und sich für unsere Kultur interessieren. Wir haben unsere eigenen
Bräuche, z.B. wird bei Hochzeitsfeiern in der Stadt herumgefahren
und dabei dauernd gehupt. Dieses Verhalten wurde früher als ungewohnt
empfunden. Ich war vor 2 Monaten bei einer Hochzeitsfeier in Deutschland.
Es war dieHochzeitsfeier eines Verwandten von mir. Meine Verwandten gingen
sehr behutsam vor, sie wollten nicht gegen die Regeln in Deutschland handeln.
Sie stiegen heimlich in ihre Autos und fuhren zum Friseur. Ich sagte ihnen:
“Sorgt ja dafür, daß sich kein Zug von Autos bildet”.
Sie sagten: “Nein, so etwas machen wir nicht. Wir sind absolut dagegen,
wir wollen niemanden belästigen.” Ich war gerade dabei, das
Hotel zu verlassen, und da wurde mir gesagt: “Wissen Sie, jetzt
wird’s hier großen Lärm geben.” “Was für
ein Lärm”, fragte ich. “Die Braut wird hier vorbeifahren”,
sagten sie. Daraufhin sagte ich. “Aber sie sind allein gefahren,
es ist niemand da.” “Das denken Sie!”, sagten sie mir.
Und alle, die die Braut sahen,sind hinter ihrem Auto gefahren, und so
wurde in Nürnberg ein Zug von 150-200 Autos gebildet, wobei alle
Deutsche waren, es gab keinen Türken unter ihnen. Sie sind wie Türken
unter dauerndem Hupen in der Stadt herumgefahren.
Ob das negativ oder positiv ist, kann natürlich diskutiert werden.
Aber durch das kulturelle Näherkommen und den kulturellen Austausch
ist eine sehr schöne multikulturelle Umwelt entstanden. Wir sehen,
daß sich Deutschland und die Türkei bei einem Fußballspiel
von GS vereinigen. Das sind natürlich positive Seiten, es gibt aber
immer noch Hunderte von Problemen. Ich bin aber fest davon überzeugt,
daß unsere deutschen Freunde, SKA e.V. Darmstadt, Europäische
Kommission, Universität Ankara Forschungszentrum für die Europäische
Union, unsere Direktorin und alle Anwesenden heute in dieser Tagung alle
Probleme ausführlich erörtern und Fortschritte erzielen werden.
Ich setze große Erwartungen in diese Tagung. Hier wird heute in
der Tat ein sehr wichtiges, die ganze Türkei interessierendes Problem
erörtert. Ich wünschte, ich hätte genügend Zeit, um
bis zum Ende der Tagung hier bleiben zu können.
Ich wünsche dem Vizerektor, Herrn Turabi und allen Veranstaltern
viel Erfolg und begrüße alle Anwesenden.
|